.Bericht Olexandr Tymoshchuk
"Ich, Olexandr Tymoshchuk, geb.
am 5. April 1987, bin Oberst des Staatlichen Grenzschutzes
der Ukraine und war während der Verteidigung der Stadt
Mariupol von russischen Invasoren in der ukrainischen Oblast
Donezk unmittelbar an Maßnahmen zum Schutz der ukrainischen
Bevölkerung und zur Wahrung der staatlichen Interessen
meines Landes beteiligt. Im Zeitraum vom 1. Februar 2022 bis
zum 1. Mai 2022 nahm ich teil an den Kampfeinsätzen in der
Stadt Mariupol. Während der Kampfhandlungen erlitt ich
Schuss- und Explosionsverletzungen.
Am 19. Mai 2022 geriet ich in
die Gefangenschaft von russischen Besatzern und befand mich
zum 1. August 2025, d.h. mehr als drei Jahre in russischer
Gefangenschaft.
Während der gesamten Zeit meiner Gefangenschaft war ich
systematisch Folter, körperlicher, psychischer und sexueller
Gewalt sowie anderen Formen grausamer, unmenschlicher und
die Menschenwürde verletzender Behandlung unterworfen.
Insbesondere wurde ich zahlreichen Schlägen mit Händen,
Füßen, Gummiknüppeln und anderen Gegenständen,
Stromschlägen, Erstickungsversuchen durch das Überziehen
eines Tuchs über den Kopf bei gleichzeitigen Schlägen,
psychischem Druck, Morddrohungen, ständiger Einschüchterung,
Hetze durch Diensthunde sowie der Nötigung zu körperlicher
Erschöpfung durch langes Stehen und übermäßige körperliche
Anstrengung sowie die Nötigung zur Durchführung von
Handlungen propagandistischer Art ausgesetzt.
Während meiner Gefangenschaft war ich zudem systematisch
sexueller Gewalt und sexualisierten Formen der Folter
ausgesetzt. Das waren Vergewaltigungsdrohungen, erzwungene
Entblößung sexueller Natur, Drohungen mit sexueller Gewalt
unter Einsatz verschiedener Gegenstände, Handlungen
sexueller Natur ohne meine freiwillige Zustimmung,
gewaltsame Handlungen an meinen Geschlechtsorganen sowie die
Nötigung, bei der Ausübung sexueller Gewalt gegen andere
Kriegsgefangene anwesend zu sein.
Darüber hinaus wurden an mir weitere Handlungen sexueller
Natur begangen, die darauf abzielten, meine Menschenwürde zu
verletzen, mich psychisch zu brechen, ein Gefühl der
Hilflosigkeit zu erzeugen, mich einzuschüchtern und mir
schwerwiegende moralische und psychische Leiden zuzufügen.
Einige Folterungen stellten eine reale Bedrohung für mein
Leben dar. Bei einer der Prügelattacken nach dem Essen
verlor ich das Bewusstsein und zeigte Anzeichen von
Atemstillstand, und nur der tatkräftige Einsatz anderer
Kriegsgefangener hat mein Leben gerettet.
Meine Haftbedingungen während der ganzen Gefangenschaft
waren unmenschlich und die Menschenwürde verletzend. Ich
befand mich dauernd unter unhygienischen Bedingungen, ohne
ausreichende Belüftung und bei ständiger
Rund-um-die-Uhr-Beleuchtung, auch während des Schlafs. Fast
zwei Jahre lang wurde ich nicht an die frische Luft
gebracht. In den Räumen gab es Insekten und Kakerlaken, im
Winter wurde ich, wie auch die anderen Gefangene, bei
niedrigen Temperaturen zwangsweise bei geöffneten Fenstern
festgehalten. Mir wurde eine angemessene medizinische
Versorgung vorenthalten, und die Verpflegung war
unzureichend und von extrem schlechter Qualität.
Infolge von Folter, sexueller Gewalt und unmenschlichen
Haftbedingungen erlitt ich zahlreiche Körperverletzungen,
infektiöse Hauterkrankungen und ein chronisches
Schmerzsyndrom, verlor etwa 50 Kilogramm an Körpergewicht
und erlitt darüber hinaus weitere schwere Beeinträchtigungen
meiner körperlichen Gesundheit. Nach meiner
austauschbedingten Freilassung aus der Gefangenschaft musste
ich mich dringend einer stationären Behandlung sowie einer
langwierigen medizinischen und psychologischen
Rehabilitation unterziehen, die bis jetzt dauert.
Medizinische Unterlagen bestätigen das Vorliegen einer
posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die sich durch
Angst- und Depressionssymptome, Flashbacks, aufdringliche
Erinnerungen an die erlebten traumatischen Ereignisse,
Schlafstörungen (Insomnie), erhöhter Angst und anderen
psychischen Folgen der erlittenen Folter und sexualisierten
Gewalt äußern. Ebenfalls bestätigten die Unterlagen die
zahlreichen Verletzungen und Erkrankungen, die mit dem
Aufenthalt in Haft zusammenhängen.
Somit haben Folter, körperliche, psychische und
sexualisierte Gewalt sowie die unmenschlichen Bedingungen
der Gefangenschaft, denen ich während meiner Gefangenschaft
ausgesetzt war, zu einer erheblichen Verschlechterung meines
körperlichen und psychischen Gesundheitszustands geführt,
anhaltende körperliche und seelische Leiden verursacht und
den Bedarf an langfristiger medizinischer Behandlung,
psychologischer Betreuung und Rehabilitation hervorgerufen."
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